Der Bau des Danewerks

Der Haupt­wall des Da­ne­werks weißt nach neu­es­ten Er­kennt­nis­sen ins­ge­samt neun Bau­pha­sen auf, von de­nen die ers­ten acht dem Mit­tel­al­ter zu­zu­ord­nen sind. Die letz­te Bau­pha­se er­folg­te ab 1861, als die Re­ak­ti­vie­rung des Da­ne­werks in Gang ge­setzt und mi­li­tä­ri­sche Schan­zen ge­baut wur­den. In den Bau­pha­sen 1 bis 4 han­del­te es sich ent­spre­chend der frü­hen Ar­chi­tek­tur um Erd­wäl­le mit höl­zer­ner Front­pa­li­sa­de so­wie da­vor lie­gen­dem Graben.

Wäh­rend bis zur drit­ten Bau­pha­se Um­bau­ten zur Ver­stär­kung der Be­fes­ti­gungs­an­la­ge durch­ge­führt wur­den, in­dem der Haupt­wall und der Krumm­wall als So­den­wäl­le von Hol­lings­tedt an der Tree­ne bis zum Dan­ne­wer­ker See aus­ge­führt wur­den, stellt die vier­te Pha­se eine Er­neue­rung des Walls dar. Als die­se vier­te Pha­se wird je­der Wall­bau an­ge­se­hen, der auf das Jahr 737 da­tiert wer­den konn­te und im Wei­te­ren als Haupt­bau­pha­se Da­ne­werk I be­trach­tet wird.

In der fünf­ten Bau­pha­se ent­stand wahr­schein­lich um das Jahr 1100 her­um eine vor dem Wall be­find­li­che Feld­stein­mau­er. Die­ser Bau hielt den Wit­te­rungs­ein­flüs­sen nicht lan­ge stand, so dass eine Sta­bi­li­sie­rung mit­tels Auf­schüt­tun­gen zwi­schen Mau­er und Wall so­wie der Bau ei­nes Wehr­gangs auf der Wall­kro­ne pro­biert wur­den. Nach ei­nem er­neu­ten Ab­sturz wur­de die Feld­stein­mau­er schließ­lich in der sieb­ten Bau­pha­se mit Erde überschüttet.

Die ach­te Bau­pha­se be­zieht sich auf die Wal­de­mars­mau­er, die Kö­nig Wal­de­mar der Gro­ße als Zie­gel­mau­er un­mit­tel­bar vor dem letz­ten Bau er­rich­ten ließ. Kö­nig Wal­de­mar I. war der Sohn von Knud La­vard, Jarl und Her­zog von Schles­wig, der als mög­li­cher Er­bau­er der Feld­stein­mau­er be­trach­tet wird. Legt man je­doch zu­grun­de, dass La­vard 1100 ge­ra­de 4 Jah­re alt war, muss da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Feld­stein­mau­er ent­we­der ei­ni­ge Jah­re nach 1100 ent­stand oder von La­vards Va­ter Kö­nig Erik I. von Dä­ne­mark in Auf­trag ge­ge­ben wurde.

Ar­chäo­lo­gi­schen Un­ter­su­chun­gen zu­fol­ge wird von drei gro­ßen Bau­pha­sen be­rich­tet. Die ers­te Haupt­bau­pha­se, die nach­ge­wie­sen wer­den konn­te, be­gann etwa um 700. Um 1180 en­de­te die drit­te Haupt­bau­pha­se. We­der ar­chäo­lo­gisch noch zeit­lich be­legt sind mit dem jet­zi­gen Wis­sens­stand die be­reits er­wähn­ten Ver­mu­tun­gen ei­ni­ger For­scher, dass be­reits vor dem Da­ne­werk I drei äl­te­re, vor­wi­kin­ger­zeit­li­che Aus­füh­run­gen des Bau­wer­kes, die Bau­pha­sen 1 bis 3, ent­stan­den waren.

Zum ei­nen wur­den die Jah­re 650 so­wie 680 ins Spiel ge­bracht, zum an­de­ren sol­len die An­fän­ge des Da­ne­werks bis ins 5. Jahr­hun­dert zu­rück rei­chen. Noch eine an­de­re Quel­le be­zieht sich auf die Rö­mi­sche Kai­ser­zeit, in wel­cher ein ers­ter Vor­läu­fer des Da­ne­wer­kes ent­stan­den sein soll. In der Ar­chäo­lo­gie wird die Zeit der Früh­ge­schich­te bis 375 n. Chr. der Rö­mi­schen Kai­ser­zeit zugeordnet.

Soll­ten die For­schun­gen ein­mal be­le­gen, dass tat­säch­lich be­reits zu die­ser Zeit ein Vor­gän­ger des Da­ne­werks exis­tiert hat, wäre das Da­ne­werk noch über 300 Jah­re äl­ter als heu­te an­ge­nom­men. Ein­zig dass die vor­wi­kin­ger­zeit­li­chen Wäl­le noch simp­le Erd­wäl­le wa­ren, wäh­rend die Wi­kin­ger ihre Be­fes­ti­gungs­an­la­ge zu ei­ner mäch­ti­gen Wall­an­la­ge aus­bau­ten, gilt als gesichert.

Die drei Hauptbauphasen

Bau­pha­se I – Haupt­wall, Nord­wall, Os­ter­wall, Schlei-Sperrwerk

In der ers­ten Pha­se ent­stan­den das Schlei-Sperr­werk, der Haupt­wall, eine 5,5 km lan­ge mit Lehm be­fes­tig­te Feld­stein­mau­er von je­weils 3 m Höhe und Brei­te, der Nord­wall so­wie der Ost­wall bzw. Osterwall.

Für den etwa 1,6 km lan­gen Nord­wall, wel­cher vom Westende der Schlei bis zum ver­lan­de­ten Da­ne­wer­ker See ver­lief, konn­te eine Ent­ste­hungs­zeit um 737 be­stimmt wer­den. Ei­ni­ge Ki­lo­me­ter ent­fernt nahe Eckern­för­de be­fand sich der Os­ter­wall, der mit dem ei­gent­li­chen Da­ne­werk in kei­ner di­rek­ten bau­li­chen Ver­bin­dung stand. Die­ser Ab­schnitt wur­de nach der Wi­kin­ger­zeit nicht wei­ter aus­ge­baut und ist heu­te nur noch stel­len­wei­se und ex­trem ab­ge­flacht zu erkennen.

Die Er­bau­ungs­zeit des Da­ne­werk I lag zwi­schen 700 und 750 und wird ge­nau­er auf das Jahr 737 da­tiert. Die­ser Da­tie­rung lie­gen dend­ro­chro­no­lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen, das heißt Aus­wer­tun­gen von Jah­res­rin­gen von Bäu­men, zu­grun­de. Mit ei­ner Holz­pa­li­sa­de als Wall­front ent­stand ein etwa 2 m ho­her und 12 m brei­ter Erd­wall. Da es kei­ne ge­si­cher­ten his­to­ri­schen Er­kennt­nis­se gibt, kann über den An­lass der Er­bau­ung nur spe­ku­liert wer­den. Mög­li­cher­wei­se dien­te die An­la­ge der Ver­tei­di­gung ge­gen die nord­el­bi­schen Sach­sen oder die sla­wi­schen Stäm­me, die im heu­ti­gen Raum Ost­hol­stein an­säs­sig waren.

In ei­ner an­de­ren Quel­le ist der Ge­dan­ke zu le­sen, dass der Haupt­wall jün­ger sein müs­se. In der Be­grün­dung wird haupt­säch­lich an­ge­führt, dass Haupt­wall und Hait­ha­bu kei­ne Ver­tei­di­gungs­li­nie bil­den und vor dem Haupt­wall sich ein Sohl­gra­ben be­fin­det, eine Gra­ben­art, die erst nach den Spitz­grä­ben wie etwa beim Ko­gra­ben aus­ge­führt wur­de. Die für wahr­schein­lich ge­hal­te­ne Bau­zeit des Haupt­walls wird “zwi­schen 935 und 950” angegeben.

Dem ge­gen­über ste­hen meh­re­re Ge­gen­ar­gu­men­te: Ei­ner­seits die be­reits schon ge­nann­ten dend­ro­chro­no­lo­gi­schen Un­ter­su­chun­gen mit ih­ren Da­tie­rungs­er­geb­nis­sen, an­de­rer­seits die Ver­bin­dung des Haupt­walls mit dem Halb­kreis­wall von Hait­ha­bu mit­tels des Ver­bin­dungs- bzw. Mar­ga­re­then­walls. Wei­ter­hin ließ der dä­ni­sche Kö­nig Gud­f­red wäh­rend sei­ner Re­gie­rungs­zeit in Hait­ha­bu, 804 bis 810, zur Si­che­rung von Hait­ha­bu das Da­ne­werk um den Ko­gra­ben er­wei­tern, der bis fast an den Haupt­wall reich­te. Da­durch ist be­reits in zwei­er­lei Hin­sicht die Ost­see-Nord­see-Ver­bin­dung ge­ge­ben, die Ein­hard in sei­nen Reich­s­an­na­len 808 vermerkte.

Bau­pha­se II – Kograben

In ei­ner zwei­ten Bau­pha­se wur­de der Ko­gra­ben (dä­nisch: Ko­vir­ke) errichtet.

Bau­pha­se III – Haupt­wall, Krumm­wall und Margarethenwall

In der drit­ten Bau­pha­se wur­de der etwa 5 km lan­ge Haupt­wall zwi­schen 960 und 970 un­ter dem dä­ni­schen Kö­nig Blau­zahn mehr­fach er­wei­tert. Er er­reich­te nun eine Höhe von bis zu 7 m und war bis zu 30 m breit. Wei­ter­hin ent­stan­den der Mar­ga­re­then- bzw. Ver­bin­dungs­wall, der Krumm­wall, der Bo­gen­wall so­wie der Dop­pel­wall. Die bei­den zu­letzt ge­nann­ten Wäl­le wur­den nörd­lich bzw. süd­lich des Ver­bin­dungs­wal­les am Haupt­wall an­ge­fügt. Die Struk­tur des Walls wur­de beim Bau der mi­li­tä­ri­schen Schan­zen in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts teil­wei­se er­heb­lich zerstört.

Kas­ten­bau­wer­ke

Nahe der Thy­ra­burg, wo der Haupt­wall­zug den ver­lan­de­ten Dan­ne­wer­ker See durch­quert, wur­den 1929 meh­re­re gro­ße Holz­bal­ken in feuch­te­ren Bo­den­schich­ten auf­ge­fun­den. For­schun­gen im Jahr 1972 er­ga­ben, dass es sich um ein Kas­ten­bau­werk von 6 x 4 m Grö­ße aus Ei­chen­bal­ken han­del­te. Mit­tels Dend­ro­chro­no­lo­gie konn­te das Jahr 737 für die­ses Kas­ten­bau­werk fest­ge­stellt wer­den. 1983 wur­de fest­ge­stellt, dass es sich um eine Fort­set­zung der Feld­stein­mau­er han­delt. Das 1972 auf­ge­fun­de­ne Bau­werk ist im Mu­se­um Moes­gård in Hø­jb­je­rg aus­ge­stellt. Wei­te­re seit­her lo­ka­li­sier­te Kas­ten­bau­wer­ke wur­den nicht ge­bor­gen. Über dem Kas­ten­bau­werk wur­den im 10. Jahr­hun­dert Auf­bau­ten vorgenommen.