Handelsschauplatz

Hait­ha­bu lag stra­te­gisch güns­tig an der Kreu­zung von zwei wich­ti­gen Han­dels­rou­ten. In West-Ost-Rich­tung gab es die See­han­dels­rou­te zwi­schen Nord­see und Ost­see, die über die Flüs­se Ei­der, Tree­ne, Rhei­der Au und Schlei führ­te. Eine Theo­rie be­sagt, dass die Schif­fe von der Rhei­der Au zum Sel­ker Noor über Land ge­zo­gen wur­den, eine zwei­te The­se sieht den Ko­gra­ben des Da­ne­werks als was­ser­füh­ren­den Schiff­fahrts­ka­nal. Die Nord-Süd-Ver­bin­dung von Vi­borg in Jüt­land nach Ham­burg führ­te we­ni­ge Ki­lo­me­ter west­lich von Hait­ha­bu über den Ochsenweg.

In Hait­ha­bu wur­den ei­ge­ne Mün­zen ge­prägt und Wa­ren aus der ge­sam­ten da­mals be­kann­ten Welt ge­han­delt. Aus Ir­land, Nor­we­gen, Schwe­den, dem Fran­ken­reich, Eng­land und dem Bal­ti­kum ka­men über­wie­gend Roh­stof­fe, wäh­rend Lu­xus­gü­ter, dazu zähl­ten un­ter an­de­rem Ge­wür­ze, haupt­säch­lich aus Bag­dad und Kon­stan­ti­no­pel im­por­tiert wur­den. Fun­de von ei­ser­nen Fuß- und Hand­fes­seln las­sen dar­auf schlie­ßen, dass Hait­ha­bu sehr wahr­schein­lich auch ein grö­ße­rer Markt­platz für den Skla­ven­han­del war.

Bes­te Voraussetzungen

Die Vor­aus­set­zun­gen für Hait­ha­bu wa­ren op­ti­mal, um zu ei­ner be­deu­ten­den Stadt her­an­zu­wach­sen. So führ­ten ne­ben dem See­han­del auch noch die Zu­wan­de­rung von Hand­wer­kern so­wie die zwangs­wei­se An­sied­lung von Kauf­leu­ten aus dem vom Dä­nen­kö­nig Gud­f­red zer­stör­ten Re­ric zu ei­nem An­stieg der Einwohnerzahl.

Die Be­völ­ke­rung von Hait­ha­bu war nicht auf ihre Selbst­ver­sor­gung an­ge­wie­sen. Die Bau­ern aus der na­hen Um­ge­bung er­ziel­ten ei­nen Ge­trei­de­über­schuss, den sie in die Stadt ver­kauf­ten. So konn­ten sich in Hait­ha­bu an­de­re Be­ru­fe eta­blie­ren und Hand­wer­ker spezialisieren.

Be­son­ders in der zwei­ten Hälf­te des 10. Jahr­hun­derts, als Hait­ha­bu vor­über­ge­hend zum Hei­li­gen Rö­mi­schen Reich ge­hör­te, ge­wann die Her­stel­lung und Be­ar­bei­tung von Ton­wa­ren, Glas und Werk­zeug an Bedeutung.

Die gro­ße An­zahl an ge­fun­de­nen bun­ten Glas­per­len lässt ei­ner­seits den Rück­schluss auf Schmuck­her­stel­lung zu, an­de­rer­seits avan­cier­ten Glas­per­len im Früh­mit­tel­al­ter in Eu­ro­pa zu ei­ner be­gehr­ten Han­dels­wa­re, die als Zah­lungs­mit­tel im Tausch ge­gen El­fen­bein, Edel­me­tal­le, Ge­wür­ze und Stof­fe ein­ge­setzt wur­de. An­ge­sichts des­sen gal­ten aus Glas­per­len ge­fer­tig­te Schmuck­stü­cke als be­son­ders wert­voll und sei­ne Trä­ge­rin­nen und Trä­ger als reich.