Die Siedlung Haithabu

Bei den Aus­gra­bun­gen und For­schun­gen in den 1930er Jah­ren wur­den un­ter an­de­rem im Ha­fen­be­reich von Hait­ha­bu Ma­te­ria­li­en ge­fun­den, die auf Wohn­häu­ser in zwei­er­lei Bau­aus­füh­rung zu­rück­zu­füh­ren sind. Her­bert Jan­kuhn schloss dar­aus, dass in Hait­ha­bu we­nigs­tens zwei ver­schie­de­ne Be­völ­ke­rungs­ar­ten an­säs­sig wa­ren, ei­ner­seits nor­di­scher, also wi­kin­gi­scher, an­de­rer­seits west­ger­ma­nisch-frie­si­scher Her­kunft. Un­ter­schie­de in den kunst­ge­werb­li­chen Er­zeug­nis­sen, die ge­fun­den wur­den, be­stä­ti­gen die­se These.

Fun­de aus dem 10. und 11. Jahr­hun­dert im Be­reich der Bach­nie­de­rung ga­ben Auf­schluss über die Stadt­be­bau­ung. Nach ei­ner Brand­ka­ta­stro­phe wur­de das Bach­bett zu Ende des 11. Jahr­hun­derts neu ein­ge­fasst. An­hand der Fun­de wird ver­mu­tet, dass die Häu­ser aus Holz und Flecht­werk­wän­den be­stan­den und mit Reet oder Stroh ge­deckt wa­ren. Sie hat­ten Grund­flä­chen zwi­schen 3,5 x 17 m und 7 x 17,5 m. Die ein­zel­nen Ge­höf­te wa­ren durch Holz­zäu­ne von­ein­an­der ge­trennt, be­stan­den je­weils aus meh­re­ren Häu­sern und ver­füg­ten über ei­ge­ne Brunnen.

Im Zen­trum be­stand die Sied­lung haupt­säch­lich aus ge­rad­li­ni­gen Stra­ßen und Grä­ben so­wie ei­nem Brun­nen. Durch den Bach, der sich ein Stück süd­li­cher vom heu­ti­gen Bach­lauf be­fand und im 10. Jahr­hun­dert eine Holz­ein­fas­sung hat­te, so­wie ei­nen Weg wur­de Hait­ha­bu in vier Vier­tel ge­glie­dert. Durch Fun­de wie Guss­for­men und ei­nem Glas­schmelz­ofen, der auf den Über­res­ten ei­nes ab­ge­brann­ten Gru­ben­hau­ses er­rich­tet wor­den war, konn­te be­legt wer­den, dass im Nord-Ost-Vier­tel die Hand­wer­ker an­ge­sie­delt wa­ren. Die Nähe zum Bach und Ent­fer­nung von den Wohn­häu­sern dien­te dem Schutz.

Alte Auf­zeich­nun­gen be­rich­ten von zwei Brü­cken, die Hait­ha­bu einst mit Schles­wig ver­bun­den ha­ben sol­len. Mög­li­cher­wei­se könn­ten da­mit aber auch ein­fach die Lan­dungs­brü­cken ge­meint sein. 2007 wur­de eine um 1090 er­bau­te Lan­dungs­brü­cke iin Schles­wig aus­ge­gra­ben, die Teil ei­ner Ha­fen­an­la­ge ge­we­sen war. Der Fund be­fand sich in ei­nem au­ßer­or­dent­lich gu­ten Zu­stand und war of­fen­bar durch die Ver­schüt­tung mit über­wie­gend Stall­mist um 1200 kon­ser­viert worden.

Die Grä­ber von Haithabu

Wei­ter­hin wur­den im west­li­chen Sied­lungs­ge­biet ver­schie­de­ne Grä­ber­ty­pen ent­deckt. Über ein Grä­ber­feld wur­den im Lau­fe des 10. Jahr­hun­derts Häu­ser ge­baut, so dass von ei­ner Be­sied­lung von Hait­ha­bu über meh­re­re Jahr­hun­der­te aus­ge­gan­gen wer­den kann. Ne­ben dä­ni­schen Brand­gru­ben und christ­li­chen Erd­grä­bern wur­den säch­si­sche Ur­nen­grä­ber und schwe­di­sche Kam­mer­grä­ber ge­fun­den, was auf eine in­ter­na­tio­na­le Be­völ­ke­rung so­wie den Ein­fluss der Chris­tia­ni­sie­rung in der ers­ten Hälf­te des 9. Jahr­hun­derts schlie­ßen lässt.

Un­ter­su­chun­gen an Ske­let­ten er­ga­ben, dass die Be­woh­ner sel­ten äl­ter als über 40 Jah­re alt wur­den. Oft wa­ren ver­mut­lich vor al­lem die letz­ten Le­bens­jah­re schmerz­haft mit Läh­mungs­er­schei­nun­gen oder Tu­ber­ku­lo­se­er­kran­kun­gen verbunden.

Der Erd­wall ver­füg­te über ei­nen spitz nach in­nen zu­lau­fen­den Gra­ben an der Au­ßen­sei­te und wur­de im Lau­fe von zwei Jahr­hun­der­ten neun­mal um­ge­baut, sei es durch Er­hö­hung oder Ver­stär­kung. So war bei der ers­ten Stadt­um­wal­lung an ih­rer Vor­der­sei­te eine Pa­li­sa­de be­fes­tigt, zu­dem ver­füg­te sie über ei­nen Wehr­gang. Die­se Stadt­mau­er wur­de im­mer wie­der aus­ge­baut, bis sie letzt­end­lich eine ver­mu­te­te Höhe von 14 m er­reich­te und über zwei über­ein­an­der­lie­gen­de Wehr­gän­ge verfügte.

Die Hoch­burg

Am neu­en Fried­hof von Had­de­by vor­bei ge­langt man zu ei­ner na­tür­li­chen An­hö­he, der Hoch­burg von Hait­ha­bu. Viel­leicht exis­tier­te hier be­reits vor der Grün­dung Hait­ha­bus eine Flucht­burg. In dem fla­chen Wall am Ab­hang be­fan­den sich mög­li­cher­wei­se drei Tore. Vie­le fla­che Hü­gel zwi­schen den Bäu­men las­sen auf ei­nen Be­gräb­nis­platz schließen.